Hintergrund

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 Tiefgründige Wirkstoff-konzepte werden von uns entwickelt und interpretiert

Der Klostergarten

Der unten stehende Text ist ein Auszug aus dem theoretischen Werk zu
“Neue Mazerate” von Maximilian Helldörfer. Wenn Sie das gesamte Werk oder ein Presse-Kit einsehen wollen, kontaktieren Sie uns bitte.

Nachdem die römische Kultur ausgeglüht war, war vieles Verschütt‘ gegangen. »Durch den Untergang des Römischen Reiches, durch Völkerwanderungen und Pestepidemien drohte auch das enorme medizinische Wissen der antiken Gelehrten verloren zu gehen.«  An ihre Stelle treten die neuen christlichen Gelehrten, die versuchen, Teile des Wissensschatzes zu retten, während das Vakuum, welches das Ende der antiken Hochkulturen erzeugt hatte, große Teile der Kenntnisse über Medizin, Chirurgie und Astronomie; Sanitär- und Sozial-Einrichtungen mit sich riss.

»Dem Gründer des Benedikter Ordens, Benedikt von Nursia (480-547) ist es zu verdanken, dass die Schriften über Heilkräuter erhalten blieben. In unendlichem Fleiß kopierten seine Ordensbrüder antike medizinische Texte über Heilpflanzen, bis ihnen die Finger und Augen wehtaten. Dabei war es damals keineswegs selbstverständlich und wurde immer wieder kritisiert, dass die Mönchsärzte zum Beispiel auf antikes Wissen zurückgriffen. Immerhin waren Hippokrates oder Galen, der griechische Leibarzt von Kaiser Marc Aurel, Heiden, deren Weisheit die Christen mit Vorsicht begegneten.«

Um Teile des antiken Wissens zu rekonstruieren müssen die Mönche auch wieder vorgreifen, und vor-gärtnerisches Volkswissen einsetzen, das ihnen durch mündliche Überlieferung in der Abendländischen Kultur als Aberglaube erhalten geblieben war. Somit kommt es zur Symbiose aus christlicher Gnostik, antiker Hochkultur und wildem Volksglauben – »Erst in der Kombination dieser Heilrichtungen ist die europäische Naturheilkunde wirklich stark und verdient als ›Traditionelle Europäische Medizin‹ asiatischen Heilkonzepten gleichgestellt zu werden«.  Das Motiv des Gartens ist, vielleicht durch eine hohe Präsenz des Garten-Themas in den theologischen Schriften des Christentums ein Kernthema der Mönche und des Klostergeländes als solchem. Kein Kloster ohne Kräutergarten, keine Medizin ohne Naturheilkunde.

Die Mönche hüten einen enormen Schatz: Samen aus den verschiedensten Kulturen – Mönche bringen sie aus den Handelsplätzen in Italien über die Alpen. Dass sich das Pflanz-Wissen von Italien aus verbreitet, also aus den Ruinen des römischen Reichs geborgen wird, liegt auch daran, dass dort der eben angesprochene Orden des Benedikt von Nursia beheimatet ist. Ihm verdanken wir die Eigenart, dass mediterrane Kräuter in der europäischen Küche immer noch die Kräuter schlechthin sind und Rosmarin, Lavendel und Basilikum in ganz Europa zum Standart-Repertoire gehören.

Sie kultivieren aber nicht nur die Kräuter des Mittelmeer-Raumes, arabische und asiatische Kräuter werden bis in das kalte Deutschland hinein verbreitet – so zählte die heilige Hildegard von Bingen, thailändischen Ingwer, den »Galgant«, als eine ihrer Lieblingspflanzen und nannte sein würziges Rhizom das »Gewürz der Liebe«.
»Mönche und Nonnen haben als die ersten Botaniker des Kontinent vor weit über tausend Jahren in ihren Klöstern den Grundstein zu unserer heutigen Gartenkultur gelegt. Sie bewahrten und entwickelten Altes weiter: Sie führten exotische Gewächse in unseren Breiten ein (…) mixten Kräuter zu Arzneien, Tinkturen und Elixieren. Niemand wusste mehr über die Heilkräfte der Natur als die Ordensleute.«

Zu diesem Zeitpunkt begegnen wir dem zweiten  Kernthema: nachdem die Pflanz-Kultur die Klostergärten hervorgebracht hatte, erweitert sich die Kräuterkunde um verschiedenen Konservierungsmethoden. Die wohl bedeutendste ist das Lösen von Kräutern in Alkohol zwecks Haltbarmachung und Auslösung der Wirkstoffe. Die Klostergärten professionalisieren nämlich die Weitergabe der Heilmittel an das einfache Volk, denn die christliche Heilkunst handelt, anders als die antike, unter dem Leitspruch der christlichen Nächstenliebe – der Caritas – und spinnt damit den hippokratischen Gedanken der gleichen Medizinischen Behandlung aller Menschen erfolgreich zu Ende.,

 »Durch das Gebot Kranke und auch Gäste aufzunehmen wie Christus selbst, entstanden Hospize und die ersten Krankenstationen der Welt. Und was lag näher, als für die bedürftigen Mitbrüder nebenan auch gleich einen eigenen Heilgarten anzulegen? Mehr noch: Wenn die Kräuter den Winter über in den Trockenkammern schon verlockend dufteten, konnte man da nicht auch noch das Eau de Toilette erfinden? Und dazu auch noch – schließlich mussten die gesegneten Kräuter haltbar gemacht werden – den guten Klosterlikör!«.

Der Likör! Die professionelle Drogerie der Mönche mit ihren Klosterapotheken stiftet uns das Kernstück zwischen Heil- und Genussmittel, und das – wie so viele Erfindungen – aus der Not heraus.

 

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